
Talkrunde Sport © Juliane Sonntag/photothek.de
Parkinson entsteht durch den fortschreitenden Verlust dopaminproduzierender Nervenzellen im Gehirn – der daraus resultierende Dopaminmangel führt zu den bekannten motorischen und nicht-motorischen Symptomen der Erkrankung. Körperliche Aktivität gilt dabei als die am besten belegte nicht-medikamentöse Intervention bei Parkinson – und ist nach aktuellem Erkenntnisstand die einzige Maßnahme, für die es Hinweise auf eine Verlangsamung der Krankheitsprogression gibt. Eine Möglichkeit, die Erkrankung vollständig zu stoppen, gibt es weiterhin nicht. Doch schon das Ausbleiben einer Verschlechterung ist eine echte Errungenschaft – und genau dafür liefert Bewegung die derzeit besten Chancen.
"Parkinson schränkt ein – aber es muss nicht das letzte Wort haben. Wer sich bewegt, gewinnt" – dieser Kernbotschaft folgte die gesamte Veranstaltung. Ebenso deutlich wurde: "Sport macht Spaß!" Denn es ging nicht um Therapie und Pflicht, sondern um Freude, Gemeinschaft und positive Emotionen. Die Talkrunde machte allen Zuschauenden Mut, selbst aktiv zu werden: Ob Tanzschritt, erste Laufrunde oder Boxtraining – jede Bewegung zählt, und der beste Zeitpunkt anzufangen ist jetzt.
60 Prozent Bewegung, 40 Prozent Medikation
Eine der eindrücklichsten Aussagen des Nachmittags lieferte die Wissenschaft gleich selbst: Auf die Frage aus dem Chatroom, ob am allgemeinen Wohlbefinden von Parkinson-Betroffenen Bewegung mit 60 Prozent und Medikation nur mit 40 Prozent beteiligt sei, bestätigten die Expert:innen auf dem Podium: Ja, so in etwa könnte man das sagen, auch wenn unklar blieb woher dieses Zahlenbeispiel stammt. Ein Befund, der aber dennoch zeigt, wie zentral aktive Teilhabe am eigenen Behandlungserfolg sein kann.
Was die Forschung heute weiß – und was noch offen ist
Auch wenn bis vor zwanzig Jahren Betroffenen eher zu Ruhe geraten wurde, zeigt die Evidenz der letzten Jahre eindeutig: Körperliches Training kann – neben spürbaren Effekten auf die Ausprägung der Parkinsonsymptome – das Fortschreiten der Erkrankung beeinflussen (Alberts & Rosenfeldt, 2020). Ein Effekt, der bislang weder mit Medikamenten noch mit Stimulationsverfahren wie der Tiefen Hirnstimulation erreicht wurde. Die Grundlagenforschung liefert hierzu bereits gute Erkenntnisse – unter anderem zur Neuverdrahtung von Neuronen im Gehirn durch Bewegung. Die klinische Forschung steht an diesem Punkt jedoch noch vergleichsweise am Anfang. Besonders wichtig sei es, in Zukunft noch besser zu verstehen, welche Sportart in welcher Intensität für wen am wirksamsten ist.
Für das Tanzen im Speziellen gilt: Es ist klinisch bereits gut untersucht. Aktuelle Studienergebnisse zeigen konsistente Verbesserungen bei Balance und motorischer Symptomschwere – bei der Balance liegt Tanzen im Vergleich sogar vorne unter allen untersuchten Bewegungsformen. Wichtig für die Einordnung bleibt dabei: Eine krankheitsmodifizierende, das Fortschreiten tatsächlich verlangsamende Wirkung ist für Sport und Tanzen im Einzelnen bislang nicht abschließend belegt. Gesichert ist der Nutzen bei Symptomen und Funktion – und, vermutlich ebenso wichtig: bei der Therapietreue, weil Bewegung, die Freude macht, auch dauerhaft durchgehalten wird.
Einig waren sich die Gesprächsgäste zudem: Es lohnt sich, auf den eigenen Körper zu hören und auch Pausen zu akzeptieren. Die passende Belastung muss individuell auf jede Person abgestimmt werden – entscheidend ist dabei eine gute Kombination aus Koordination, Kraft und Ausdauer. Und: Sich zu bewegen ist immer besser, als sich nicht zu bewegen – besonders leicht fällt das, wenn die Bewegung auch noch Spaß macht. Auch mal etwas Neues auszuprobieren lohnt sich dabei ausdrücklich, denn so lernt auch das Gehirn immer wieder neue Dinge.
Hemmungen überwinden – Tipps der Expert:innen
Eine der meistgestellten Fragen aus dem Chatroom lautete: Wie überwinde ich Hemmungen beim Sport und wie motiviere ich mich dauerhaft? Die Antworten der Expert:innen waren ebenso einfach wie einleuchtend: Langsam anfangen – der Körper erinnert sich an die Bewegung. Nichts erzwingen, sondern den Moment genießen. Und vor allem: dranbleiben. Entscheidend sei, für sich selbst etwas zu finden, das man gerne drei Mal pro Woche macht.
Ein persönliches Grußwort sprach Frank Elstner, Botschafter der Parkinson Stiftung und selbst von Parkinson betroffen. Im Mittelpunkt stand die Ping Pong Parkinson Weltmeisterschaft in Hannover als Symbol dafür, was möglich ist, wenn Betroffene aktiv bleiben und Grenzen überwinden.
Drei Themenblöcke, drei Bewegungswelten
Anhand kurzer Videoclips wurden drei Bewegungsformen angeteasert und anschließend lebendig im Gespräch vertieft:
Alle drei Gesprächsrunden machten eines klar: Man muss nicht sportlich veranlagt sein, um von Bewegung zu profitieren. Man muss nur anfangen.
Talkrunde zum Nachschauen
Die Talkrunde wird in Kürze in unserer Online-Akademie abrufbar sein. Dort finden Sie auch weitere Webinare zu verschiedensten Themen zum Nachschauen. Außerdem veranstalten wir regelmäßig weitere Online-Webinare in denen Sie die Möglichkeit haben, Ihre Fragen an unsere Expert:innen zu stellen.