Parkinson und Umwelt

Warum erkranken manche Menschen an Parkinson, andere aber nicht? Weshalb beginnen die krankhaften Veränderungen im Nervensystem offenbar schon Jahre vor den ersten sichtbaren Symptomen? Und welche Rolle spielen dabei Einflüsse aus unserer Umwelt? Die Forschung nähert sich diesen Fragen Schritt für Schritt. Das Bild, das sich dabei abzeichnet, ist eindeutig: Parkinson entsteht nicht durch einen einzigen Auslöser, sondern durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

Unsere Umwelt, unser Risiko

Parkinson und die Frage nach den Ursachen

Hintergrund

Lange stand bei Parkinson vor allem die Symptomatik im Vordergrund: Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifigkeit, Zittern. Inzwischen wissen wir, dass die Erkrankung viel früher beginnt, oft Jahre bevor motorische Beschwerden sichtbar werden. Deshalb fragt die Forschung heute verstärkt nach den Bedingungen, die diese Prozesse anstoßen oder beschleunigen. Ein zentrales Konzept ist dabei das sogenannte Exposom: die Gesamtheit aller Umwelteinflüsse, denen ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist. Von Luftschadstoffen über Chemikalien bis hin zu Ernährungs- und Lebensstilfaktoren. Nicht ein einzelner Stoff erklärt die Erkrankung, sondern das Zusammenspiel vieler Einflüsse über viele Jahre.

Ein gut untersuchter Risikofaktor

Pestizide

Zu den am häufigsten diskutierten Umweltfaktoren gehören Pestizide. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat beschrieben, dass epidemiologische Studien eine Assoziation zwischen Pestizidexposition und Parkinson zeigen, auch wenn daraus kein gesicherter kausaler Zusammenhang abgeleitet werden kann. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie vor vorschnellen Schlüssen schützt, ohne den Befund zu relativieren.

Besonders untersucht wurden in diesem Zusammenhang Paraquat und Rotenon, zwei Substanzen, die im Verdacht stehen, dopaminerge Nervenzellen zu schädigen. Rotenon hemmt den mitochondrialen Komplex I, also genau jenen Teil des zellulären Energiestoffwechsels, der auch bei Parkinson-Betroffenen häufig gestört ist. In Tierversuchen erzeugte der Stoff zuverlässig Parkinson-ähnliche Symptome. In Deutschland ist Rotenon seit Jahren als Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassen, aber die wissenschaftliche Frage bleibt aktuell. Paraquat, ein Breitbandherbizid, ist in der EU seit 2007 verboten. Die Datenlage aus Regionen mit hohem Paraquat-Einsatz zeigt erhöhte Parkinson-Prävalenzen unter Landwirtinnen und Landwirten sowie Winzerinnen und Winzern.

Für Menschen, die beruflich mit Pflanzenschutzmitteln in Kontakt kommen, ist das keine abstrakte Debatte. Seit August 2026 ist Parkinson offiziell in die Liste der die Liste der Berufskrankheiten-Verordnung aufgenommen wurden und kann unter bestimmten Voraussetzungen in Deutschland als Berufserkrankung in der Landwirtschaft anerkannt werden, wenn eine relevante Pestizidbelastung nachweisbar ist. Das ist ein wichtiger rechtlicher Schritt, der anerkennt, was die Forschung seit Jahren nahelegt. Lesen Sie dazu auch unsere Pressemitteilung.

Was die Wissenschaft sicher sagen kann

Ein Zusammenhang zwischen Umweltfaktoren und Parkinson ist nicht dasselbe wie ein Beweis für Ursache und Wirkung. Dennoch ist die Datenlage keineswegs dünn. Seit Jahren zeigt sich in verschiedenen Studien und Bevölkerungsgruppen ein wiederkehrendes Muster: Menschen mit höherer Belastung durch bestimmte Umweltfaktoren erkranken statistisch häufiger an Parkinson.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie weist ausdrücklich darauf hin, dass sich Parkinson nicht monokausal erklären lässt. Genetische Faktoren, Alterungsprozesse, Umweltgifte und möglicherweise Veränderungen im Darm- und Stoffwechselgeschehen greifen ineinander. Diese Sichtweise auf Parkinson als multifaktorielle Erkrankung ist wissenschaftlich präziser und für Betroffene oft auch entlastender, weil sie die Krankheit nicht auf einen einzigen, angeblich vermeidbaren Auslöser verkürzt.

Luftverschmutzung und weitere Belastungen

Die Debatte über Umweltfaktoren und Parkinson beschränkt sich nicht auf die Landwirtschaft. Aktuelle Fachbeiträge nennen auch Luftverschmutzung, Lösungsmittel und Schwermetalle als potenziell relevante Faktoren. Verkehrsbedingte Luftverschmutzung ist mit einem erhöhten Parkinson-Risiko verbunden, insbesondere bei Menschen mit genetischer Vorbelastung. Dabei scheint die Kombination aus Disposition und Exposition das Risiko stärker zu erhöhen, als jeder Faktor allein.

Auch Schwefeldioxid steht im Fokus: Eine Studie, die ambulante Arztbesuche wegen Parkinson mit Luftqualitätsdaten verknüpfte, zeigte eine statistische Verbindung zwischen erhöhter SO2-Belastung und mehr Parkinson-bezogenen Arztkontakten. Das Lösungsmittel Trichlorethen, früher in vielen Industriebereichen eingesetzt, wird in mehreren Studien mit erhöhtem Parkinson-Risiko in Verbindung gebracht. Der biologische Mechanismus ähnelt dem anderer Parkinson-assoziierter Toxine: beeinträchtigte Mitochondrienfunktion und oxidativer Stress.

Umweltforschung bei Parkinson geht damit weit über die Landwirtschaft hinaus. Sie betrifft die Luft in Städten, Berufsfelder in der Industrie und Stoffe, denen Menschen jahrzehntelang ausgesetzt sein können, ohne es zu wissen. 

Weil dieses Thema so brisant ist und deutlich mehr Aufmerksamkeit in der Bevölkerung verdient, haben wir am 10. September 2026 dazu eine Pressekonferenz veranstaltet. Bekannte nationale und internationale Vertreter aus Wissenschaft und Politik haben zu dem Thema informiert und Stellung bezogen. Lesen Sie mehr dazu in unserer Pressemitteilung.

Zur Pressemitteilung Umwelt und Risko

Ihre Unterstützung macht den Unterschied

Parkinson kann jeden treffen. Daher ist es umso wichtiger, über die Erkrankung und die Risikofaktoren aufzuklären. 

Bitte unterstützen Sie uns – gemeinsam schaffen wir es, dass die Gesellschaft Parkinson kennt, versteht und überwindet. 

Machen auch Sie mit - herzlichen Dank.

Spenden Sie jetzt

Was das für Betroffene und Angehörige bedeutet

Wer selbst mit Parkinson lebt oder jemanden begleitet, der an Parkinson erkrankt ist, fragt verständlicherweise nach der praktischen Bedeutung dieser Erkenntnisse. Die Forschung zeigt, dass Schutz und Vorsorge sinnvoll sind, besonders dort, wo Risiken vermeidbar sind. Berufliche Kontakte mit Pestiziden sollten konsequent durch Schutzausrüstung minimiert werden. Im privaten Garten lohnt ein Blick auf biologische Alternativen. Bei langjähriger beruflicher Belastung ist eine Prüfung der Berufserkrankungsanerkennung durch die Berufsgenossenschaft sinnvoll.

Zugleich sollte eines klar sein: Parkinson ist keine Frage persönlicher Schuld. Die Erkrankung entsteht durch ein komplexes biologisches Zusammenspiel, auf das individuelle Entscheidungen nur begrenzt Einfluss haben. Genetische Veranlagung, das biologische Alter, Luftqualität am Wohnort und berufliche Exposition durch gesellschaftliche Strukturen der eigenen Zeit sind keine Entscheidungen, die man hätte einfach anders treffen können. Das Wissen um Umweltfaktoren ist ein gesellschaftlicher Auftrag, kein Vorwurf an Erkrankte.

Prävention: Was wir heute tun können

Parkinson lässt sich nach heutigem Wissensstand nicht sicher verhindern. Aber die Forschung zeigt, dass Lebensstilfaktoren das Risiko und den Verlauf beeinflussen können. Regelmäßige körperliche Aktivität gilt als einer der am besten belegten Schutzfaktoren: Sie reduziert Entzündungen und oxidativen Stress, verbessert die Mitochondrienfunktion und kann allein das Parkinson-Risiko um bis zu 60 Prozent senken. Ausreichend Schlaf ist wichtig für die nächtliche Reinigung des Gehirns über das glymphatische System, ein Netzwerk aus Flüssigkeitskanälen, das fehlerhafte Proteine aus dem Hirngewebe abtransportiert. Und eine pflanzenreiche, entzündungsarme Ernährung unterstützt das Mikrobiom, die Darmbarriere und den zellulären Energiestoffwechsel.

Das sind keine revolutionären Empfehlungen. Aber sie sind gut belegt, überall umsetzbar und sie wirken über jene biologischen Mechanismen, die bei der Entstehung von Parkinson eine nachgewiesene Rolle spielen.

Unser Auftrag für die Betroffenen

Je besser wir die Rolle der Umwelt bei Parkinson verstehen, desto gezielter kann gehandelt werden: in der Prävention, der Früherkennung und der Therapieentwicklung. Forschung, die Expositionen systematisch erfasst und mit biologischen Markern verknüpft, kann Muster erkennen, die bisher verborgen blieben.

Wir verstehen uns als Brücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und öffentlicher Information, zwischen Forschung und Betroffenen. Gerade weil die Datenlage komplex ist, braucht es verständliche Aufklärung. Und gerade weil nicht alles bereits geklärt ist, braucht es verlässliche Forschung und die Bereitschaft, schwierige Fragen zu stellen.

Aktuelle Informationen über unsere Arbeit, unsere Projekte und Kampagnen erhalten Sie in unserem Newsletter.

Jetzt Newsletter abonnieren

Ausblick Webinar

Umweltfaktoren und Parkinson – welche Rolle spielen Pestizide?

Wir freuen uns sehr, Ihnen im Oktober ein Webinar zum Thema Umwelt präsentieren zu können.

Wann: 07.10.2026
Um: 15.30 Uhr

In dieser Folge gibt unsere Referentin PD Dr. Eva Schäffer einen Überblick darüber, welche Rolle Umweltfaktoren – insbesondere Pestizide – bei der Entstehung und dem Verlauf der Erkrankung spielen können. Wir sprechen außerdem über die Anerkennung eines „Parkinsonsyndroms durch Pestizide“ als Berufskrankheit und diskutieren, ob und wie man sich vor solchen Umwelteinflüssen schützen könnte.

Sie können sich schon heute für das Webinar anmelden:

Anmeldung Webinar Umwelt

Videostatements und Interviews

Das Thema Umwelt und Parkinson ist komplex. Daher haben wir für Sie verschiedene Einblicke zusammengetragen und veröffentlichen diese als Video-Mitschnitte. 

Im Interview gehen Prof. Volkmann und Prof. Bloem darauf ein, wie wir die Parkinson-Krankheit bis heute wahrnehmen und wie wir damit umgehen. Parkinson breitet sich zunehmend aus – aktuelle Schätzungen gehen von etwa 6 Mio. Betroffenen aus. In Deutschland sind hiervon mehr als 400.000 Menschen betroffen, Tendenz steigend. In dem Interview blicken die beiden Experten auf Risikofaktoren bei Parkinson und warum alle von uns Aktivisten im Kampf gegen Parkinson werden sollten. 

23 min.

30. April 2026

Zwischen Weinbergen und Kuhstall: Ewald und Fred Ruppert führen gemeinsam ein Bio-Weingut im fränkischen Prichsenstadt, Michael Wolf bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb bei Heilbronn. Was sie verbindet: die Diagnose Parkinson – und die Frage, welche Rolle der langjährige Kontakt mit Pestiziden dabei gespielt haben könnte. Bei Michael Wolf wurde die Erkrankung inzwischen als „Wie-Berufskrankheit" anerkannt. Ein Gespräch über Weinbau, Landwirtschaft und den Wunsch, dass Forschung künftige Generationen besser schützt.

 

7 min.

10. September 2026

In dem Statement erläutert Michael Okun, M.D. die Zusammenhänge von Parkinson und Umwelt und geht auf den aktuellen Stand der Wissenschaft ein. „Parkinson sollte nicht länger ausschließlich als unvermeidliche Folge des Alterns und einer genetischen Veranlagung betrachtet werden. Internationale Forschungsergebnisse legen zunehmend nahe, dass wir die Umgebungen berücksichtigen müssen, in denen Menschen leben und arbeiten.“ Michael Okun, M.D. University of Florida

 

7 min.

10. September 2026

Warum erkranken manche Menschen an Parkinson, andere aber nicht? Welche Rolle spielen dabei Einflüsse aus unserer Umwelt und was sagt die Forschung dazu? In unserer Pressekonferenz sprechen wir mit Expert:innen aus Wissenschaft und Politik dazu und versuchen dabei vor allem eins: aufmerksam machen.

 

45 min.

10. September 2026

Presse

Sie möchten weitere Informationen zum Thema Parkinson und Umwelt? Dann besuchen Sie gerne unseren Pressebereich mit aktuellen Informationen zur Pressekonferenz.

Ihre Unterstützung

Parkinson kann jeden treffen. Nur gemeinsam schaffen wir es, dass die Gesellschaft Parkinson kennt, versteht und überwindet. Bitte helfen Sie uns dabei mit Ihrer Spende.