Initiative Frauen und Parkinson

Der Weltfrauentag am 08. März macht weltweit auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam. Und dennoch gibt es noch immer Bereiche, in denen die Bedürfnisse von Frauen noch nicht ausreichend gesehen oder erforscht wurden. Parkinson gehört dazu. Daher haben wir die Initiative Frauen und Parkinson ins Leben gerufen.

Die Unterschiede verstehen

Parkinson betrifft Frauen anders. Sie werden oft später diagnostiziert und leiden unter anderen Symptomen als Männer.

Parkinson ist schon heute keine seltene Erkrankung, in Deutschland sind aktuell rund 400.000 Menschen betroffen, aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahlen in den nächsten 15 Jahren noch stark zunehmen können.

Unsere Initiative Frauen und Parkinson schafft Sichtbarkeit für geschlechtsspezifische Unterschiede, will gezielte Forschung fördern und entwickelt bedarfsgerechte Unterstützungsangebote für betroffene Frauen und weibliche Angehörige. Die Parkinson Stiftung versteht die Initiative als weiteres wichtiges Element in der Kommunikation zum Thema Parkinson.

 

Franziska Engehausen

„Die Parkinson Erkrankung äußert sich bei Frauen und Männern unterschiedlich. Warum das so ist, kann die Forschung bislang nur vermuten. Es ist daher wichtig, das wir die Forschung auch in diesem Bereich weiter vorantreiben." 

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Lange Zeit wurden geschlechtsspezifische Unterschiede bei Parkinson in der Forschung vernachlässigt. Noch immer fehlen ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse, etwa zu Hormongaben. Allerdings wissen wir heute: Eine gendersensible Medizin ist entscheidend für bessere Therapien. 

  • Männer erkranken häufiger an Parkinson als Frauen (etwa 1,6-mal höhere Prävalenz). Frauen erkranken etwa 1-4 Jahre später als Männer und zeigen oft unterschiedliche  Symptome.
  • Motorische Symptome: Frauen entwickeln beispielsweise häufiger einen Tremor als Erstsymptom als Männer (67% vs. 48%)
  • Nicht-motorische Symptome: Frauen leiden häufiger unter Angst, Depressionen, Fatique und Schmerzen, während Männer häufiger mit kognitiven Beeinträchtigungen umgehen müssen.
  • Besonders in der Vorläuferphase der Parkinson Erkrankung (prodromalen Phase) ähneln viele Symptome den Symptomen der Menopause (brain fog, Fatique, Schlafstörungen, Ängste). Daher ist es manchmal schwer zu unterscheiden, woher die Symptome kommen. Als Konsequenz dauert die Diagnosestellung bei Frauen deutlich länger als bei Männern.
  • Frauen mit Parkinson stehen vor einer besonderen Herausforderung: Viele von ihnen sind trotz ihrer Erkrankung weiterhin in Care-Arbeit eingebunden – sei es als Mutter, Partnerin oder pflegende Angehörige. Diese Doppelbelastung führt dazu, dass die eigene Gesundheit oft an zweiter Stelle steht. Gleichzeitig benötigen weibliche Betroffene eine individualisierte Therapie, da hormonelle Schwankungen die Symptomatik und Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen können.

Forschung und Aufklärung

Umso wichtiger ist es, dass die geschlechtsspezifischen Folgen von Parkinson in Forschung und Praxis zunehmend Berücksichtigung finden. Hier gibt es noch erschreckend große Lücken, die geschlossen werden müssen. Hinzu kommt, das betroffene Frauen so gut wie möglich darüber aufgeklärt werden, was sie selbst tun können, um das Leben mit Parkinson so gut es geht selbst zu gestalten. 

Als Parkinson Stiftung stehen wir nicht nur am Weltfrauentag an der Seite der betroffenen Frauen und ihrer Familien und sind enger Partner der medizinischen Forschung. Wir investieren weiterhin in innovative Forschungsprojekte – damit Frauen mit Parkinson die Versorgung erhalten, die sie brauchen.

Lesen Sie auch unsere Information zum Internationalen Weltfrauentag.

Auch der Bundestag debattiert am 19. März anlässlich des Internationalen Frauentags über Gleichstellung. 

#GemeinsamGegenParkinson

Eine holistische Betrachtung hilft. Beziehen Sie Ihre Neurolog:in und Gynäkolog:in mit ein.

Sie sind nicht alleine.

Der Austausch mit anderen betroffenen Frauen kann enorm helfen. Selbsthilfegruppen bieten Raum für Fragen, Erfahrungen und gegenseitige Unterstützung. Derzeit arbeiten wir an einer Broschüre zum Thema “Frauen und Parkinson”, die Sie bald bei uns als Publikation bestellen können.

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Dr. med. Katharina Rukavina

Webinar zum Thema Frauen und Parkinson

Gendersensible Medizin ist ein sehr wichtiges, bis jetzt leider vernachlässigtes Thema.

Zusammen mit der Wissenschaftlerin Dr. med. Katharina Rukavina, Parkinson-Kliniken Beelitz, sprechen wir über Besonderheiten, Herausforderungen und Perspektiven und fassen wichtige Informationen für Sie zusammen. 

57 min.

Podcast “Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Parkinson”

Sie wünschen sich noch mehr Informationen zu diesem wichtigen Thema oder möchten auch gerne mal etwas hören zum Thema Frauen und Parkinson?

In einer unserer Podcast-Folgen widmet sich unsere Moderatorin Claudia Eyd dem Thema, wie personalisierte und geschlechtsspezifische Ansätze in der Parkinson-Therapie zu einer verbesserten Behandlung für Frauen und Männer führen können. 

Hören Sie am besten direkt rein.

Weiterführende Informationen

Bovenzi, R., Simonetta, C. et al. (2026). Unveiling the Role of Sex Hormones and Reproductive Life Factors in Parkinson's Disease. International Parkinson and Movement Disorder Society.
Subramanian, I., Mathur, S. et al. (2022). Unmet Needs of Women Living with Parkinson’s Disease: Gaps and Controversies. Movement Disorders.
Marras, C., Saunders-Pullman, R. (2015). The Complexities of Hormonal Influences and Risk of Parkinson’s Disease. Mov Disord.
Pekkecchia, M. T. et al (2025) Gender Is the Main Predictor of Wearing-Off and Dyskinesia in Levodopa-Naïve Patients with Parkinson’s Disease. Movement Disorders.