
Als sie das Zittern ihrer Hände bemerkte, dachte sie zunächst nur „Ich bin schon wieder überarbeitet”. Als es immer wieder kam, machte sie sich Sorgen. Aber die Pflege des Vaters rückte schnell wieder in den Vordergrund. Dann nahm es erneut zu. Zittern – ist das nicht typisch für Parkinson? Aber nein – kann nicht sein, ist doch eine Männerkrankheit. Die bekanntesten Betroffenen sind es ja auch. Frank Elstner, langjähriger Botschafter der Parkinson Stiftung, fällt einem da sofort ein. Oder auch mancher Schauspieler. Das wird es schon nicht sein. Die Diagnose war dann zunächst ein Schock, denn tatsächlich betrifft die Krankheit viele Frauen in jedem Alter.
Beschwerden richtig einordnen
Erschwerend hinzu kommt, dass besonders in der Vorläuferphase der Parkinson Erkrankung (prodromalen Phase) viele erste Anzeichen den Symptomen der Menopause ähneln und es daher manchmal schwer zu unterscheiden ist, welchen Auslöser die Symptome haben. Als Konsequenz dauert die Diagnosestellung bei Frauen deutlich länger als bei Männern. Auch die Herausforderungen unterscheiden sich oft, sowohl bei den motorischen als auch bei den nicht-motorischen Symptomen und Folgen. Dementsprechend sollten in der Behandlung die entsprechenden Bedürfnisse berücksichtigt werden.
Unterschiedliche Symptome
Denn Frauen leiden etwa überproportional unter dem oft zitierten Tremor. Sie leiden unter Depressionen, Angst, Schmerzen und dem Fatigue-Syndrom, während bei Männern Demenz und kognitive Störungen häufiger zu finden sind. Bei Frauen tritt die Krankheit oft später auf. Im Durchschnitt verbringen sie 40% ihres Lebens in der Postmenopause. Studien geben Hinweise auf einen Zusammenhang mit den damit einhergehenden hormonellen Veränderungen.
Gendersensible Medizin
Umso wichtiger ist es, dass die geschlechtsspezifischen Folgen von Parkinson in Forschung und Praxis zunehmend Berücksichtigung finden. Hier gibt es noch erschreckend große Lücken, die geschlossen werden müssen. Hinzu kommt, dass betroffene Frauen so gut wie möglich darüber aufgeklärt werden, was sie selbst tun können, um das Leben mit Parkinson so gut es geht selbst zu gestalten.
Zwischen Care-Arbeit und der eigenen Gesundheit
Frauen mit Parkinson stehen vor einer besonderen Herausforderung: Viele von ihnen sind trotz ihrer Erkrankung weiterhin in Care-Arbeit eingebunden – sei es als Mutter, Partnerin oder pflegende Angehörige. Diese Doppelbelastung führt dazu, dass die eigene Gesundheit oft an zweiter Stelle steht. Gleichzeitig benötigen weibliche Betroffene eine individualisierte Therapie, da hormonelle Schwankungen die Symptomatik und Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen können.
Die Parkinson Stiftung setzt daher bewusst auf digitale Bildungs- und Unterstützungsformate, um Frauen den Zugang zu qualifizierter Therapie und Information zu erleichtern.

Initiative Frauen und Parkinson
Als Parkinson Stiftung stehen wir nicht nur am Weltfrauentag an der Seite der betroffenen Frauen und ihrer Familien und sind enge Partnerin der medizinischen Forschung. Unsere Initiative Frauen und Parkinson schafft Sichtbarkeit für geschlechtsspezifische Unterschiede, will gezielte Forschung fördern und entwickelt bedarfsgerechte Unterstützungsangebote für betroffene Frauen und weibliche Angehörige. Die Parkinson Stiftung versteht die Initiative als weiteres wichtiges Element in der Kommunikation zum Thema Parkinson.
Weiterführende Informationen:
Bovenzi, R., Simonetta, C. et al. (2026). Unveiling the Role of Sex Hormones and Reproductive Life Factors in Parkinson's Disease. International Parkinson and Movement Disorder Society.
Subramanian, I., Mathur, S. et al. (2022). Unmet Needs of Women Living with Parkinson’s Disease: Gaps and Controversies. Movement Disorders.
Marras, C., Saunders-Pullman, R. (2015). The Complexities of Hormonal Influences and Risk of Parkinson’s Disease. Mov Disord.
Pekkecchia, M. T. et al (2025) Gender Is the Main Predictor of Wearing-Off and Dyskinesia in Levodopa-Naïve Patients with Parkinson’s Disease. Movement Disorders.